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24.02.2010, 21:13 Uhr

Edvald Boasson Hagen im Porträt

An das Lächeln des Norwegers wird sich die Radsport-Welt gewöhnen müssen

Wien – Das Team Sky ist 2010, neben Lance Armstrongs RadioShack, der wohl am meisten beäugte Neo-Radsport-Rennstall.

Mit dem britischen Pay-TV-Sender BSkyB verfügt das Team über einen millionenschweren Sponsor.

Die Ziele wurden klar formuliert: Eine schlagkräftige Mannschaft mit möglichst vielen britischen Fahrern sollte gebildet werden.

Edvald ist der talentierteste Fahrer im Feld“

Mittelfristig soll ein Radsportler aus dem Vereinigten Königreich um den Tour-de-France-Sieg mitfahren. Dementsprechend wurde Bradley Wiggins, 29-jähriger Brite und Tour-Vierter 2009, als Top-Einkauf präsentiert.

Einige Experten haben da einen anderen Namen im Kopf: Der junge Norweger Edvald Boasson Hagen gilt als der kommende Radsport-Star.

Auch Wiggins selbst sieht das so: „Jeder weiß, dass Edvald der talentierteste Fahrer im Feld ist“, sagte er zur norwegischen Website vg.no und kam aus dem Schwärmen gar nicht heraus: „Er ist die Zukunft des Teams und kann alle Rennen gewinnen. Es ist fast beängstigend, was er in den nächsten zehn Jahren erreichen kann.“

Meiste Siege 2007

Früh zeichnete sich ab, dass aus „Bo Hagen“ – so nennen ihn seine Teamkollegen – ein ganz Großer werden kann. Wie viele Skandinavier begann er mit Mountain-Biken und wechselte mit 15 auf die Straße. Auch als Langläufer hat er sich versucht.


Im Junioren-Bereich war der heute 22-Jährige bereits 2004 norwegischer Meister auf der Straße. 2005 verteidigte er diesen Titel und fügte den im Einzel-Zeitfahren hinzu.

2006 unterschrieb er beim norwegischen Konti-Team Maxbo Bianchi und feierte in seiner Debüt-Saison acht Siege. 2007 waren es deren 15. Nur Alessandro Petacchi jubelte öfter (18). Allerdings wurden dem Italiener nach seiner Doping-Sperre seine fünf Giro-Etappensiege wieder gestrichen.

Boasson Hagens prestigeträchtigste Triumphe folgten dann nach seinem Transfer zur Saison 2008 zum Team High Road (Eigentlich sollte er zum Team Telekom wechseln, das sich aber bekanntlich auflöste).

Im Oman besiegt

Unter anderem holte er sich die Eneco-Tour, eine Giro-Etappe, sowie den Frühjahrsklassiker Gent Wevelgem (alle 2009) und dreimal (2007-2009) die norwegische Zeitfahrmeisterschaft.

Auch für Sky zeigte der Jungstar schon sein Können: Er gewann eine Etappe bei der Katar-Rundfahrt und gleich zwei bei der stark besetzten Tour of Oman. Dort schlug er im abschließenden Zeitfahren immerhin Weltmeister Fabian Cancellara.

Die Gesamtwertung im Oman wäre ebenfalls drin gewesen. Eine „Pinkelpause“ auf der 4. Etappe kostete Boasson Hagen das Rote Siegertrikot: Das Peloton, allen voran Cervelo, revanchierte sich für die bis dahin aggressive Fahrweise von Sky und nutzte den Zwischenstopp des 22-Jährigen, sowie den starken Wind.

Kaum Schwächen

Die Stärke des „Wikingers“ ist, auch wenn es komisch klingt, dass er keine wirklich großen Schwächen hat. Auf jedem Terrain ist er für einen Sieg gut. Auch Zeitfahren beherrscht er.

Sein Allrounder-Dasein macht Boasson Hagen zu einem großen Favoriten bei den Frühjahrs-Klassikern.

„Es ist schwer zu sagen, bei welchen Rennen ich am besten abschneiden werde. Ich mag die Flandern-Rundfahrt, Gent-Wevelgem und  Paris-Roubaix – vor allem die Kopfsteinpflaster“, ist auf der Homepage seines Teams zu lesen.

Ich liebe Radfahren“

Im Hochgebirge konnte er (noch) nicht glänzen, aber ist auch noch jung. Bradley Wiggins meint: „Edvald kann auch bei der Tour de France unter die Top Fünf kommen. Er wird vielleicht nicht gewinnen, aber er kann gut genug klettern, um sich an die Besten anzuhängen.“

Das Einzige, womit Boasson Hagen Probleme zu haben scheint, ist Radsportgeschichte: „Ich weiß, wer Eddy Merckx ist und dass er gut war. Aber seine genauen Ergebnisse kenne ich nicht.“

Eine mögliche Erklärung für seine „Wissenslücke“ könnte folgende Aussage sein. „Ich liebe Radfahren, aber ich schaue es nicht gerne. Ich schaue mir auch keine anderen Sportarten im Fernsehen an. Ich hatte nie einen Helden. Ich liebe es, einfach nur zu fahren.“

me

Quelle: LAOLA1.at